Förderung der Kriminalistik in Wissenschaft, Praxis, Aus- und Weiterbildung Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik
Förderung der Kriminalistik in Wissenschaft, Praxis, Aus- und WeiterbildungDeutsche Gesellschaft für Kriminalistik

Überschrift

6. Umsetzung der Bologna-Beschlüsse

An den mehr als 460 deutschen Universitäten und Hochschulen ist die Umstellung von
Diplomstudiengängen auf Masterstudiengänge im vollen Gange. Es herrschen, insbeson-
dere in den ingenieurtechnischen Wissenschaftsdisziplinen jedoch noch Vorbehalte. Die
größten Fortschritte wurden bisher an den allgemeinen, technischen und wirtschaftswis-
senschaftlichen Fachhochschulen bei der Umstellung auf Bachelorestudiengänge ge-
macht.
Auch an den Fachhochschulen der Polizei bzw. Fachbereichen Polizei an denen Polizei-
beamte des gehobenen Dienstes ausgebildet werden, laufen die Studienreformen. Es wur-
de eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich bundesländerübergreifend mit inhaltlichen Prob-
lemen der Gestaltung der Bachelorestudiengänge befasst, insbesondere zur Studienstruk-
tur, mit der inhaltlichen Gestaltung von Lehrmodulen, der Akkreditierung und damit ver-
bundenen Fragen. Diese Umstellung stellt grundlegend neue Anforderungen an die Ler-
nenden, insbesondere aber auch an die Lehrenden. Das beginnt bei der Bestimmung der
Lernziele, führt über den Lehrprozess, die Modulgestaltung bis zu neuen Lehrformen nach
dem Motto Lernen - Lehren - Selbsttätigkeit.[12] Im Jahr 2006 wurde der erste Bache-
lorstudiengang an einer Polizeri-Fachhochschule eingeführt. 2007 sollen weitere fünf Stu-
diengänge akkreditiert werden und 2008/2009 nochmals acht Fachhochschulen. In drei
Bundesländern bzw. Fachhochschulen sind die Entscheidungen zur Einführung des Ba-
chelorgrades noch offen Mit der Modulausbildung wird die Unterrichtung von einzelnen
Unterrichtsfächern aufgegeben und Lehrstoffinhalte werden künftig komplex und im Zu-
sammenhang mit anderen Lehrfächern behandelt. So werden kriminalistische Fragestel-
lungen der Tatortarbeit beispielsweise im Zusammenhang mit strafprozessrechtlichen, po-
lizeirechtlichen und einsatztaktischen Aspekten vermittelt. Viele Spezialisten sehen darin
die Gefahr, dass dadurch die spezifische sachbezogene Wissensvermittlung der einzelnen
Fächer verloren gehen könnte.
Diese Besorgnis besteht nicht nur bezogen auf Kriminalistik bei der Polizei. Auch im all-
gemeinen Hochschulbereich gibt es Zweifel. Bis Mitte 2007 hat fast die Hälfte der Stu-
diengänge der deutschen Hochschulen, Universitäten und Fachhochschulen auf die neuen
Bachelor- und Masterstudiengänge umgestellt. Insbesondere in den Fachbereichen Medi-
zin und Jura gibt es noch Nachholbedarf. In der Wirtschaft, die große Vorbehalte hatte,
steigt langsam die Akzeptanz.Ein Text! Sie können ihn mit Inhalt füllen, verschieben, kopieren oder löschen.

7. Qualität kriminalistischer Ausbildung erhalten

Auch die DGfK, die sich nicht ausdrücklich gegen die neuen Studienformen ausspricht hat
solche Befürchtungen, dass die Qualität der polizeilichen Ausbildung ­ besonders im
Hinblick auf kriminalistische Lehrinhalte ­ leiden könnte. Eine Arbeitsgruppe analysierte
deshalb inhaltliche Fragen der Kriminalistikausbildung an den Fachhochschulen der Poli-
zei des Bundes und der Länder und kam zu der Überzeugung, dass es bereits vor der Um-
stellung sehr unterschiedliche Lehrinhalte zur Kriminalistik gibt. Deshalb erarbeitete die
DGfK kriminalistische Mindeststandards[13] für die polizeiliche Ausbildung im Rahmen des
Bachelor-Studienganges an den Fachhochschulen. Diese sind als fachspezifische Kompe-
tenzen zu verstehen, über die ein Absolvent mindestens verfügen muss. In dem Material
bestimmte die Arbeitsgruppe die qualitativ-inhaltlichen Anforderungen, die im Rahmen
der Bacheloreausbildung keinesfalls verloren gehen dürfen. Mit den neu geschaffenen
Ausbildungsmodulen fallen im Interesse komplexer Wissensvermittlung bisher unterrich-
tete Fächer, wie auch die Kriminalistik, weg. Deshalb wurden die neuen Anforderungen
als Mindeststandards formuliert und können länderbezogen modifiziert werden.
Diese Mindeststandards für die kriminalistische Ausbildung des gehobenen Dienstes der
Polizei wurden dem Vorsitzender Innenministerkonferenz des Bundes und der Länder
(IMK ­ Dr. Beckstein) vorgelegt. Der Vorsitzende der IMK stimmt mit der DGfK über-
ein, dass im Rahmen der Modularisierung des Fachhochschulstudiums wichtige Lehrin-
halte sowie wissenschaftlich begründete und praktische Ausbildungsgrundlagen zum
Nachteil der Qualität kriminalistischer Ausbildung nicht verloren gehen dürfen. Dr. Beck-
stein leitete das Material an die Innenminister der Bundesländer mit der Empfehlung wei-
ter, dies bei der Umsetzung der Studienreformen zu berücksichtigen.
Die Umstellung auf Bachelorabschlüsse hat auch im Hinblick auf sich anschließende Qua-
lifikationsmöglichkeiten Bedeutung weil der Maststudiengang der DHPol auf dem Bache-
lorabschluss der Fachhochschulen aufbaut.

8. Außerpolizeiliche Anwender von kriminalistischen Erkenntnissen

Die Kriminalistik ist eine universale Wissenschaft. Ihr Gegenstand wird von der Aufgabe
bestimmt, Straftaten aufzudecken, beweisfest zu untersuchen und diesen vorzubeugen.
Adressat sind alle mit der Straftatenbekämpfung beauftragten Behörden, Einrichtungen
und Personen. Obwohl die Polizei einen erheblichen Anteil an der Straftatenuntersu-
chung trägt, darf sich die kriminalistische Wissensvermittlung nicht allein auf die Polizei
beschränken. Ungeachtet der guten Möglichkeiten der Polizei die Mittel, Methoden und
Verfahren der kriminalistischen Straftatenuntersuchung im Ergebnis praktischer Untersu-
chungstätigkeit zu verbessern, darf es zu keiner Einschränkung kommen. Pragmatismus
und kasuistische Fallveröffentlichungen ersetzen systematische, planvolle und wissen-
schaftlich fundierte Untersuchungen zum Erkennen von Gesetzmäßigkeiten und Zusam-
menhängen kriminalistischer Untersuchungstätigkeit nicht. Das Strafverfahren endet nicht
mit der Abgabe eines Ermittlungsvorganges an den Staatsanwalt. Straftatenverfolgung ist
ein komplexer ineinander greifender Prozess in verschiedenen Verantwortungsebenen
und dabei dürfen andere Verantwortungsträger im Strafprozess nicht von Erkenntnissen
der Kriminalistik ausgeschlossen werden. Wie bereits unter Punkt 7 dargestellt, ist Kri-
minalistik nicht nur eine der Polizei zuzuordnende interne nichtöffentliche Angelegenheit.
Sie ist Instrument aller an der Strafverfolgung beteiligten Organe der Rechtspflege, ein-
schließlich Richter, Staatsanwälte, Verteidiger und anderer Juristen. Schließlich sollen die
wissenschaftlichen Erkenntnisse der Kriminalistik dazu dienen, die Qualität der Beweis-
führung auf allen Untersuchungsebenen und allen Stadien eines Strafverfahrens zu
verbessern. Zu diesen außerpolizeilichen Anwendern von kriminalistischen Erkenntnissen
gehören neben Führungskräften des privaten Sicherheitsgewerbes auch die Mitarbeiter
von Behörden, die gesetzlich verpflichtet sind, neben der Polizei, auf strafprozessualer
Grundlage Straftaten zu untersuchen, wie beispielsweise: Zollfahndung, Steuerfahndung,
Luftfahrtbundesamt ­ Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, Bundesamt für Güterver-
kehr, Eisenbahnbundesamt und andere.
Auch aus diesen Umständen lässt sich das Erfordernis der Einrichtung universitärer Lehr-
stühle für Kriminalistik begründen.

9. Osteuropäische Erfahrungen nutzen

Mit Wirkung vom 1. Mai 2005 hat sich die Mitgliederzahl der Europäischen Union auf 27
Staaten erhöht. Insbesondere die neu hinzugekommenen osteuropäischen Länder verfügen
über ein ausgezeichnetes Potenzial praktischer kriminalistischer Erfahrungen sowie
Kenntnissen in der Theorie und Methodologie der Kriminalistik. Die in den letzten Jahren
veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten zur Kriminaltechnik, Kriminaltaktik, krimi-
nalistischen Theorie und der Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftszweigen un-
terstreichen das und sind es wert, auch in Deutschland einmal ausgewertet zu werden.
Diese Länder verfügen über:
große kriminalistische Traditionen,
gute untersuchungsmethodische Erfahrungen,
taktisches Geschick,
gut ausgebildete Mitarbeiter,
hervorragende Erkenntnisse zur Theorie und Methodologie der Kriminalistik,
Erfahrungen in der bilateralen kriminalistischen Forschung.
Dieses Potenzial sollte verstärkt genutzt werden, um die europäische Wissenschaftsentwick-
lung in Bezug auf die Kriminalitätsbekämpfung an- und auszugleichen. Die neuen Beitritts-
länder haben einen mehr als fünfzehnjährigen demokratischen und rechtsstaatlichen Wandel
vollzogen, der meiner persönlichen Ansicht nach in den westlichen Ländern entweder nicht
oder stark reduziert wahrgenommen wird. Darüber können auch die aktive Einbindung und
Mitwirkung der neuen Mitgliedstaaten in den europäischen Gremien, die praktische polizeili-
che bilaterale Zusammenarbeit (z.B. FRONTEX unter polnischer Leitung) und andere Aktivi-
täten nicht hinwegtäuschen.
Die Wissenschaft Kriminalistik braucht Internationalität. Diese weitet den Blick sowie den
kriminalistischen Erkenntnishorizont und kann auch Provinzialität in der Betrachtung der
kriminalistischen Wissenschaft als einer ganzeinheitlichen Theorie und Praxis, wie sie in
Deutschland noch anzutreffen ist, überwinden helfen. Das schließt auch die europäische For-
schungskooperation zu Fragen ein, die sich mit dem Gegenstand der Kriminalistik befas-
sen, dem ,,wie" Straftaten zu untersuchen sind. Und das nicht nur aus pragmatischer Sicht
sondern um neue Theorien, Gesetzmäßigkeiten und Zusammenhänge zu erkennen, die helfen
länderübergreifend mehr Straftäter zu ermitteln und die Beweisführung besonders auch durch
ideelle Beweise qualitativ zu verbessern.

Teil 2

1. Gründungsanlass

Einen entscheidenden Anteil bei der Pflege, Förderung und Weiterentwicklung der Krimi-
nalistik als praktisch angewandte Wissenschaft und Handlungslehre für die Straftatenun-
tersuchung leisten in Deutschland neben den behördlichen Einrichtungen wie die örtlichen
Kriminalpolizeidienststellen der Bundesländer, Landeskriminalämter und Bundeskrimi-
nalamt die Dozenten für Kriminalistik an den polizeilichen Fachhochschulen. In ihren
jährlichen Beratungen wurde zunehmend und mit Sorge beobachtet, dass die Kriminalistik
immer stärker an Bedeutung verlor. Der Gegenstand, die Aufgaben und die Methoden der
kriminalistischen Straftatenuntersuchung drohten konturenlos und schwammig in allge-
meinen polizeilichen Aufgabenstellungen unterzugehen. Ihre Inhalte wurden, teilweise
auch in der Lehre, mit allgemeinen polizeilichen einsatztaktischen Aufgaben und Maß-
nahmen vermischt. Es bestand die Gefahr, dass sich die Qualität der Beweisführung wei-
ter verschlechtern und die Kriminalistik nur noch als verschwommenes Fachgebiet oder
polizeiliches Anhängsel wahrgenommen werden könnte. Eine Gruppe von Kriminalistik-
dozenten des Bundes und der Länder analysierte den Sachstand. Als Ergebnis legte die
Arbeitsgruppe eine Veröffentlichung zum ,,Stellenwert der Kriminalistik"[14] vor und un-
terbreitete den Vorschlag, eine Interessenvereinigung zu gründen, welche sich explizit
Fragestellungen der Kriminalistik zuwenden sollte. Die Vorbereitungen dazu dauerten ca.
drei Jahre und am 15. Mai 2003 kam es am damaligen Standort der Fachhochschule der
Polizei des Landes Brandenburg in Basdorf bei Berlin zur Gründung der Deutschen
Gesellschaft für Kriminalistik (DGfK) als eingetragener Verein.

2. Aufgaben, Zweck und Ziele

Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Berlin und verfolgt auf dem Gebiet der Kriminalistik
den Zweck, Wissenschaft, Praxis sowie die Aus- und Weiterbildung zu fördern. Das Ziel
ist, die Kriminalistik als Wissenschaft und praktische Handlungslehre zu fördern und zu
stärken sowie ihren Stellenwert im gesamtstaatlichen und gesellschaftlichen System der
Straftatenverfolgung zu erhöhen.
Die wesentlichen Aufgaben sind:
die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit gemeinnützigen/wissenschaftlichen
Einrichtungen, Behörden und Körperschaften des öffentlichen rechts und deren
Organen sowie die Information der Öffentlichkeit in Form von Vorschlägen, Emp-
fehlungen und Initiativen für eine qualifizierte kriminalistische Tätigkeit in Wis-
senschaft, Praxis sowie Aus- und Weiterbildung,
die Förderung des Fachschrifttums durch zeitnahe Veröffentlichung der Arbeitser-
gebnisse der Gesellschaft in unterschiedlichen Medien,
die Unterstützung der kriminalistischen Praxis durch Erarbeitung von Qualitäts-
standards für die kriminalistische Fallbearbeitung und des fachlichen Austausches,
die Unterbreitung von Vorschlägen zur Gestaltung und Durchführung der krimina-
listischen Ausbildung nach einheitlichen Qualitätsstandards,
die Weiterentwicklung der kriminalistischen Wissenschaft und Forschung durch
eigene Forschungsprojekte, durch Anregung und Unterstützung von Forschungs-
projekten,schließlich widmet sich die DGfK der wissenschaftlichen Zusammenarbeit
mit anderen nationalen Gesellschaften, Institutionen und Organisationen, welche den
Aufgabengegenstand tangieren und angestrebt wird, die Zusammenarbeit mit
internationalen Gesellschaften bzw. Vereinigungen voranzubringen, die sich mit
ähnlichen Aufgaben befassen.
Wichtig ist außerdem auf aktuelle Fragen des Kriminalitätsgeschehens, der Kriminal-
politik, wie auch der Rechtspolitik zu reagieren und durch Standpunktbildung in der
Öffentlichkeitsarbeit Einfluss auf bestimmte Entwicklungen zu nehmen.

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