Förderung der Kriminalistik in Wissenschaft, Praxis, Aus- und Weiterbildung Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik
Förderung der Kriminalistik in Wissenschaft, Praxis, Aus- und WeiterbildungDeutsche Gesellschaft für Kriminalistik

Entwicklungstendenzen der Kriminalistik

3. Mitgliedschaft, Organisation, Charakter

Die Deutsche Gesellschaft ist eine bundesweite Vereinigung und nicht an die Bundeslän-
dergrenzen gebunden. Mitglied kann jeder Angehörige einer Strafverfolgungsbehörde, mit
kriminalistischer Praxis, kriminalistischer Aus- und Weiterbildung, sowie kriminalisti-
scher Forschung betraute werden. Auch andere interessierte Einzelpersonen, deren Ar-
beitsgegenstand die Kriminalistik tangieren, können als Mitglieder aufgenommen werden,
wenn sie den Zweck der Gesellschaft befürworten. Aufnahmevoraussetzungen sind in ei-
ner Satzung geregelt. Die DGfK ist ein gemeinnütziger Verein. Es ist eine unabhängige
Gesellschaft. Die DGfK versteht sich nicht als berufs- oder gewerkschaftliche Interessen-
vertretung oder politische Institution. Sie ist unabhängig, wissenschaftsorientiert und ist
vor diesem Hintergrund ausschließlich der fachlichen Fortentwicklung der Kriminalistik
als Fachdisziplin verpflichtet. Das schließt nicht aus, dass sie mit anderen Gesellschaften
bzw. Interessenverbänden, deren Tätigkeitsgegenstand eng mit dem der Kriminalistik ver-
knüpft ist, zusammen arbeitet bzw. zu kooperiert. Das sind in der Bundesrepublik
Deutschland beispielsweise die ,,Deutsche Gesellschaft für gerichtliche Medizin", ,,Bund
deutscher Kriminalbeamter (bdk)", ,,Gewerkschaft der Polizei" und weitere Institutionen.
Gegenwärtig zählt die DGfK 140 Mitglieder. Diese setzen sich zusammen aus ca. 55 Poli-
zeibeamten/Kriminalisten, 30 Hochschullehrern. Die weiteren Mitglieder kommen in dif-
ferenzierter Anzahl aus den Bereichen: privates Sicherheitsgewerbe, Rechtsmedizin, Psy-
chologie, Sachverständigentätigkeit, Rechtswissenschaft (Juristen), Sicherheitstechnik
und freie Wirtschaft. Obwohl die DGfK die Erhöhung ihrer Mitgliederzahl als Aufgabe
gestellt hat, wird keine Massenorganisation angestrebt.

4. Arbeitsweise - Tätigkeit

Die Gründungsphase der Gesellschaft, die erfahrungsgemäß manche Schwierigkeit auch
hinsichtlich der Akzeptanz mit sich bringt, ist vorüber und es ist ein qualitativer Um-
schwung in der Tätigkeit des Vereins eingetreten. Die Außenwirksamkeit ist größer ge-
worden und an unsere Arbeit werden, gemessen an unserem Programm, höhere Anforde-
rungen mit inhaltlichen Erwartungen geknüpft. Bei der Formulierung ihrer strategischen
Grundziele hat die DGfK in den Vordergrund gestellt, sich als Kompetenzträger für das
Fachgebiet der Kriminalistik zu entwickeln. Die fachliche Kompetenz ergibt sich aus
der qualitativen Befähigung ihrer spezialisierten Mitglieder auf dem Gebiet der Krimina-
listik und erstreckt sich vorrangig auf Fragen der:
Fortentwicklung der kriminalistischen Untersuchungspraxis von Straftaten,
Aus- und Weiterbildung,
kriminalistischen Forschung.
Diese Aufgabenbestimmung führt zwangsläufig zu einer gewissen Einschränkung bzw.
Eingrenzung, die das vorhandene personelle Potenzial und die Tatsache berücksichtigt,
dass der Verein ausschließlich auf gesellschaftlicher Basis arbeitet.
Die Hauptform der Tätigkeit der DGfK ist, neben der Vorbereitung und Durchführung
wissenschaftlicher Konferenzen, die Mitarbeit ihrer Mitglieder in Arbeitgemeinschaften
(AG). In den Arbeitsgemeinschaften werden aktuelle Probleme aufgegriffen, untersucht
und Lösungsvorschläge an die entsprechenden Adressaten unterbreitet. Eine wichtige
Form ist die Einflussnahme auf kriminalistische Fragestellungen durch Publikationen und
Veröffentlichungen in Fachzeitschriften. So sind Mitglieder der DGfK Autoren von kri-
minalistischen Fachbüchern, die weitgehend in der Aus- und Fortbildung der Bundes-
länder Verwendung finden.
Ein Schwerpunkt der gegenwärtigen Tätigkeit bildet, Vorstellungen zu entwickeln, wie
die kriminalistische Weiterbildung und spezialisierte Fortbildung nach Abschluss von
polizeilichen Bachelor-Studiengängen auf dem Gebiet der Kriminalistik unterstützt wer-
den kann sowie die Erkundung von Möglichkeiten, an deutschen Universitäten wieder ein
kriminalistisches Hochschulstudium (Masterstudiengang/Aufbaustudiengang) einzufüh-
ren. In einem Newsletter[15] der DGfK werden Mitglieder und andere Interessenten über
aktuelle Beiträge und Entwicklungen zur Kriminalistik vertraut gemacht.

5. Wissenschaftliche Konferenzen

Ein entscheidendes Instrument zur Verwirklichung der Ideen und Aufgaben der DGfK
bilden die jährlichen wissenschaftlichen Konferenzen (Jahrestagungen). Sie werden je-
weils unter ein Leitthema gestellt. Im Ergebnis der Vorbereitungen werden fachspezifi-
sche Themen erarbeitet, im Plenum vorgestellt und in ,,Workshops" von den interessier-
ten Fachleuten diskutiert. Die Durchführung der Konferenzen erfährt größtmöglichste Un-
terstützung durch die Polizeien der Bundesländer. Die Jahrestagungen besuchten jeweils
120 bis 130 Vertreter der Polizei, der Justizorgane, Rechtsmediziner, Psychologen, Sach-
verständige, Verteidiger und Mitarbeiter aus der freien Wirtschaft. Die wissenschaftliche
Konferenz des Jahres 2007 wird vom 15 bis 17. Oktober 2007 in Münster durchgeführt
und befasst sich mit dem Themenkreis ,,Internetkriminalität und Straftaten im Inter-
net". Diese Deliktarten haben in Deutschland eine hohe Zuwachsrate. Die Straftaten sind
teilweise international vernetzt (z.B. Kinderpornographie). Zum Zwecke der besseren Be-
urteilung und Auswertung dieser relativ neuen Kriminalitätsphänomene wurde in der
deutschen Polizeilichen Kriminalstatistik ab 2004 ein Erfassungsmerkmal ,,Tatmittel In-
ternet" eingeführt. Insgesamt 118.000 Straftaten wurden 2005 mit diesem Tatmittel re-
gistriert. Darin sind auch 62.186 Fälle von Computerkriminalität enthalten. Auch 2006
sind die Internet-Straftaten erneut angestiegen.
Themen der wissenschaftlichen Konferenzen der vergangenen Jahre waren:
- 2004: ,,Kriminalistik in Theorie und Praxis". Im Vordergrund standen: die Qualifi-
zierung und Beweisführung bei der polizeilichen Todesermittlung, die Sachverständigten-
tätigkeit und Kasuistik zur Tataufklärung, Täterermittlung und Beweisführung.
- Den Schwerpunkt 2005 bildeten ,,Kriminalistische Erkenntnismöglichkeiten am
Tatort", wobei es vorrangig um die Qualifizierung der kriminalistischen Tatortarbeit und
die Nutzung kriminaltechnischer Möglichkeiten für die Beweisführung ging.
- Im vergangenen Jahr 2006 lag der Schwerpunkt auf dem Thema ,,Kriminalität ge-
meinsam bekämpfen im wachsenden Europa", welches unter internationaler Beteili-
gung, vor allem osteuropäischer Wissenschaftler durchgeführt wurde. Die Jahrestagungen
stehen allen interessierten, auch ausländischen Praktikern und Wissenschaftlern offen.
Die DGfK lobt jährlich einen ,,Preis der DGfK ,, für eine ausgewählte hervorragende wis-
senschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Kriminalistik aus. Der Preis ist mit 1000-- Euro
dotiert. Die Jahrestagung wird zum Anlass genommen, das Ergebnis vorzustellen und
den Preisträger auszuzeichnen. Der 2006 verliehene Preis wurde für die Arbeit ,,Neurolin-
guistische Programmierung (NLP) bei polizeilichen Vernehmungen" aus einer Auswahl
von 19 eingereichten Arbeiten, vergeben. Einen Sonderpreis vergab die DGfK an eine
Arbeit mit dem Thema ,,Motive für Brandstraftaten sowie Merkmale des Täters und der
Tatbegehung in Abhängigkeit von der Motivlage".[16]
Damit soll insbesondere das Interesse von jungen Menschen an wissenschaftlicher Arbeit
zu kriminalistischen (oder tangierenden) Themenstellungen gefördert werden.
Einen wichtigen Aspekt ihrer Arbeit sieht die DGfK in der zukünftigen Gestaltung von
Arbeitsbeziehungen mit den anderen europäischen Gesellschaften und Vereinigungen, die
sich mit der Weiterentwicklung der Kriminalistik als Wissenschaft und als Instrument der
Straftatenuntersuchung beschäftigen. Das sind die Polnische Gesellschaft für Kriminalis-
tik, die Gesellschaft der Kriminalisten Litauens (GKL), die ungarische Gesellschaft für
Kriminalistik und die anderen in ihrer Zielsetzung verwandten Gesellschaften West- und
Osteuropas.

Schlussfolgerungen

Der Stellenwert der Wissenschaft Kriminalistik muss erhöht werden. Ihre Einflussnahme auf
die Praxis der Straftatenuntersuchung sowie die Lehre an den Fachhochschulen der Polizei
und Hochschulen/Universitäten bedürfen einer aktuellen Bewertung im europäischen Kon-
sens. Das betrifft ebenso die kriminalistische Forschung und die Forschungskoordination.
Die Kriminalistik sollte unter Berücksichtigung der neuen gesellschaftlichen und globalen,
insbesondere europäischen, Entwicklung zukunftsfähig gemacht werden. Sie muss auf neue
internationale Kriminalitätsphänomene frühzeitig reagieren und mit helfen, rechtzeitig Me-
thoden zu deren schnellen Aufdeckung und beweissicheren Untersuchung zu entwickeln.
Die mit dem Bologna-Prozess angestrebte europäische Vergleichbarkeit und Vereinbarkeit
von Wissensvermittlung darf an der Straftatenuntersuchung, vor allem in der kriminalisti-
schen Lehre, Ausbildung und Forschung nicht vorübergehen. Die Straftatenuntersuchung
durch Polizeibeamte, Richter, Staatsanwälte, Verteidiger, Juristen und anderer Anwender soll
durch Maßnahmen begleitet werden, welche die Qualität der Untersuchung und Beweisfüh-
rung auf ein höheres Niveau bringen.

Das Verhältnis der Kriminalistik in der Bundesrepublik Deutschland zu der noch nicht ausge-
formten und sich in Entwicklung befindlichen ,,Polizeiwissenschaft" bedarf einer wissen-
schaftlich begründeten Beurteilung. Das betrifft auch das Verhältnis zu den anderen Krimi-
nalwissenschaften, vorrangig zur Kriminologie, Strafrechtswissenschaft, Strafprozessrechts-
wissenschaft und anderen Bezugswissenschaften (z.B. Rechtsmedizin, Psychologie, Psychiat-
rie, Soziologie).

Die Anwendung kriminalistischer Erkenntnisse ist interdisziplinär und nicht ausschließlich
auf die polizeiliche Nutzung beschränkt. Den nicht zur Polizei gehörenden Nutzern ist ein
größeres Augenmerk zu schenken. Außerpolizeiliche Anwender sollten in Kriminalistik uni-
versitär ausgebildet werden. Das macht die Neugründung von Studiengängen an Universitäten
notwendig. Die Deutsche Hochschule der Polizei hat internen Charakter. Sie versteht sich als
eine besondere Aus- und Weiterbildungsstätte der Polizei mit reinem polizeilichem Arbeits-
feldbezug, das in bestimmten Bereichen der Geheimhaltung unterliege. Sie hat sich nicht für
öffentlich-rechtliche Bedarfsträger geöffnet.

Die Erfahrungen und Erkenntnisse der osteuropäischen EU-Länder bei der Gestaltung der
Praxis, Lehre und Forschung zum Fachgebiet Kriminalistik dürfen nicht unbeachtet bleiben.
Sie müssen im europäischen Rahmen besser genutzt werden. Neben staatlichen Initiativen ist
es notwendig, eine enge Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlich arbeitenden Gesellschaften
und Vereinen zur Förderung und Unterstützung der Kriminalistik zu entwickeln.

Kontakt:

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Telefon:
Fax: 089 45476328
E-Mail-Adresse:

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