Förderung der Kriminalistik in Wissenschaft, Praxis, Aus- und Weiterbildung Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik
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Odorologie – Geruchspuren bei kriminalistischen Ereignissen

5. Können die Personensuchhunde auch Spuren verfolgen, die von einem Spurenverursacher aus einem Kraftfahrzeug gelegt werden (Cartrailing)?

Dieser Punkt bot die größte Angriffsfläche für Diskussionen. Anschaulich erklärte Robert Boulanger, dass er sich Cartrailing nicht vorstellen könne, weil der Spurenverursacher aus dem Kraftfahrzeug heraus viel weniger Hautschuppen verliert, die durch die Geschwindigkeit des Fahrzeugs auch noch auf einer größeren Strecke verteilt werden. Boulanger kam auf eine einstellige Zahl von Hautschuppen pro Meter zurückgelegter Strecke bei einer Fahrtgeschwindigkeit von ca. 50 km/h. Diese Hautschuppen werden auch noch durch den Fahrtwind verwirbelt. Diese Sichtweise wurde von Gerold Günter unterstützt. Bei Versuchen mit 15 behördlichen Personensuchhunden sei es nicht ein einziges Mal gelungen ein Cartrailing erfolgreich durchzuführen. Außerdem haben Versuche mit Rauchkerzen im Fahrzeuginneren ergeben, dass aus älteren Fahrzeugen nur sehr wenig Rauch und damit Hautschuppen entweichen; aus neueren entweicht fast kein Rauch und damit auch keine Hautschuppen.
Als Gegensatz hierzu stellen sich die Praxisbeispiele von Frau von Buddenbrock dar. Anschaulich schilderte sie, wie ihre Hunde im Rahmen von Ermittlungen im Kapitalstrafbereich Spuren über viele Autobahnkilometer hinweg erfolgreich verfolgten. Sie berichtet von Versuchen, die im Doppelblindverfahren durchgeführt wurden und unter wissenschaftlichen Bedingungen gezeigt haben, dass das Cartrailing sehr wohl möglich ist. Staatsanwalt Möbius schloss sich aufgrund seiner Erfahrungen dem Urteil von Frau von Buddenbrock an.

6. Inwieweit beeinflusst das Verhalten des Hundeführers das Verhalten des Hundes?

Alle Referenten waren sich einig, dass man nicht ausschließen könne, dass der Hundeführer durch sein Verhalten den Hund in eine bestimmte Richtung lenkt. Die Tiere reagieren auf subtile Verhaltensweisen des Hundeführers, die für Menschen kaum wahrnehmbar sind. Auch Personen, die den Hundeführer begleiten, wie z.B. die ermittelnden Polizeibeamten, können den Hund beeinflussen. Es ist deshalb ratsam, dass der Hundeführer so wenig wie möglich über bestehende Tatversionen/-hypothesen erfährt und so vorurteilsfrei seinen Hund begleiten kann.
Bei wissenschaftlichen Versuchen sollte weder der Aufgabensteller noch der Hundeführer wissen, welche von mehreren gelegten Spuren verfolgt werden soll.
 
7. In welcher Form soll dem Hund die Spur angeboten werden?

Die Geruchsspuren werden stets als „Kopie“ von einem Original genommen. Dabei werden Verbandsgaze oder spezieller „Geruchsspurstoff“ auf den Originalspurenträger gelegt und abgedeckt. Nach einer Einwirkzeit kann dann der Stoff entnommen werden. Er sollte luftdicht aufbewahrt werden und kann später zum Teil über Jahre als Geruchsspur benutzt werden. Es ist auch möglich, nach der oben beschriebenen Methode, „Arbeitskopien“ herzustellen.
Neben den Stoffstücken können für die Geruchsspursicherung auch Wattestäbchen benutzt werden.
 
8. Welcher Beweiswert kommt den Ergebnissen des Mantrailings bei?

Alle Referent waren sich einig, dass das Verhalten der Personensuchhunde lediglich ein Hilfsmittel bei der Erlangung von Beweisen sein kann. Ein eigener Beweiswert kommt ihm nicht zu. Dennoch kann das Verhalten der Hunde ausschlaggebend für eine bestimmte Entscheidung des Gerichts sein, wie Staatsanwalt Möbius aus der Praxis berichtete.
Das größte Hindernis bei der Beurteilung des Hundeverhaltens ist der Umstand, dass jedes Tier sich unterschiedlich verhält. Es gibt keine einheitliche Signalsprache zwischen dem Hund und seinem Führer. Wo der eine Hund sich setzt, um das Ende der Spur anzuzeigen, bellt der andere oder legt sich hin. In jedem Fall muss das Verhalten des Hundes durch seinen Hundeführer „gedolmetscht“ werden.
Frau von Buddenbrock berichtete detailliert über Fälle aus ihrer Praxis im Rahmen von Ermittlungen bei Kapitalverbrechen. Wenn man nicht selbst Erfahrungen mit dem Mantrailing hat, erscheinen einem die Schilderungen der Ärztin unglaubhaft. Ganz offensichtlich verfügt der Polizeihelfer Hund über Eigenschaften, die zwar noch nicht wissenschaftlich zu erklären sind, aber in der Praxis an Wunder grenzende Ergebnisse bringen.

Die Hunde Frau von Buddenbrocks hatten es zum Beispiel geschafft, eine Geruchsspur, die von einem Kraftstoffkanistergriff aus einem verbrannten Fahrzeug genommen wurde, viele Kilometer auf der Autobahn nach und durch Berlin zu verfolgen und so einen Mord aufzuklären, der als Entführung begonnen hatte.
Gleiches gelang ihren Hunden mit der Geruchsspur von dem Innenreißverschluss einer Handtasche, die der Täter nach einem tödlich verlaufendem Raub am Tatort zurückgelassen hatte. Die Hunde waren der monatealten Spur von der Wohnung des Opfers im Nordosten von Berlin quer durch die Stadt bis nach Steglitz gefolgt. Dort konnte der jugendliche Straftäter gefasst werden.
Kaum zu glauben war für die Zuhörer auch der Fall einer Geruchsspur auf einer Patronenhülse. Bei einer Straftat im Rockermilieu hatte der Täter mindestens eine Patronenhülse am Tatort vergessen. Die Hunde von Frau von Buddenbrock hatten es tatsächlich geschafft, die Geruchsspur auf der Hülse bis zum Lader zurückzuverfolgen.

Resümee

Die Referate und die anschließende Lebhafte Diskussion zeigten, dass das Mantrailing ein Werkzeug ist, das nicht nur im Bereich der Ermittlungen in Kapitalverbrechen eingesetzt werden sollte. Das Werkzeug Hund kann in allen Bereichen eingesetzt werden, wo Menschen ihre individuelle Geruchsspur hinterlassen haben.

Die Berichte der Referenten zeigten, dass das Mantrailing eine verlässliche Methode zur Aufklärung von Straftaten ist, auch, wenn die naturwissenschaftlichen Mechanismen, die bei der Verfolgung der Spuren wirken, noch nicht abschließend geklärt sind. Wichtig bei der Anwendung des Mantrailings ist die Festsetzung von Standards bei der Ausbildung der Hunde, der Einsätze, der Dokumentation der Einsatz- und Erfolgshistorie sowie bei der Sicherung der Spuren.

Insgesamt war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Sie sollte in regelmäßigen Abständen wiederholt werden, um über den Fortschritt beim Mantrailing zu informieren.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik könnte sich an der Verbreitung entsprechenden Wissens beteiligen und eventuell an der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas mitwirken. Aufgrund der praktischen Bedeutung sollte das Thema in jedem Fall im Rahmen einer Jahrestagung aufgegriffen werden.

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