Förderung der Kriminalistik in Wissenschaft, Praxis, Aus- und Weiterbildung Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik
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Odorologie – Geruchspuren bei kriminalistischen Ereignissen

Ein kurzer Bericht über die Veranstaltung des BDK:
„Odorologie – Geruchspuren bei kriminalistischen Ereignissen“, am 18.10.2012,
von Rechtsanwalt Mario Seydel.

Für alle, die nicht bei der Veranstaltung sein konnten, möchte ich kurz über den Inhalt berichten.

Der BDK hatte am 18.10.2012 zu einer ganztägigen Veranstaltung geladen, die den polizeilichen Einsatz von Personensuchhunden (mantrailing dogs) von allen Seiten beleuchten sollte. Das Hauptaugenmerk lag auf Berichten aus der täglichen Praxis. Besonderer Wert wurde auf die Darstellung des Einsatzes von Personensuchhunden im Diensthundebetrieb gelegt.

Die Veranstaltung war gut organisiert und gut besucht. Der BDK hatte den Brandenburgischen Dienstherrn dazu gebracht, die Teilnahme als Fortbildungsveranstaltung anzuerkennen. Die Teilnahme war kostenlos. Dennoch musste sie sich nicht hinter teuren Fortbildungsveranstaltungen privater Anbieter verstecken. Die Lokalität war gut ausgewählt und die Technik funktionierte einwandfrei. Die Pausengetränke und der nachmittägliche Kuchen wurden vom BDK gesponsert.

Die Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik war durch den Vertreter der Landesgruppe Berlin-Brandenburg, Mario Arndt, und mich vertreten. Der BDK hatte es uns noch in letzter Minute ermöglicht, teilzunehmen.

Die Referenten waren gut ausgesucht und gehören in ihrem Fach zu den Bestinformierten.

Andrea Freiin von Buddenbrock (Antonella GbR), die hauptberuflich Ärztin ist, sowie Robert Boulanger und Alun Williams aus der Schweiz (Mantrailing Europe) referierten aus der Sicht der privaten Dienstleister von Personensuchhundangeboten. PHK Volker Brandt von der Polizei Thüringen berichtete aus der Sicht des behördlichen Personensuchhundanbieters. Staatsanwalt Jörg Möbius von der StA Potsdam informierte über seine Erfahrungen mit dem Mantrailing in der juristischen Praxis. Außerdem wurde später im Rahmen der Podiumsdiskussion Gerold Günter von der hessischen Polizei zu den Referenten geholt. Herr Günter gehört einer Arbeitsgruppe von Diensthundehaltern des Bundes und der Länder an.

Folgende Fragen wurden erörtert:

1. Was ist Mantrailing?

Unter Mantrailing versteht man die Verfolgung von Personen durch speziell ausgebildete Hunde zum Zwecke der Auffindung der Person oder zur Erstellung von Bewegungsprofilen.
 
2. Welcher Unterschied besteht zwischen den klassischen Fährtenhunden der Polizei und den Personensuchhunden?

Der klassische Diensthund als Fährtenhund hat in der Regel eine duale Ausbildung, und zwar zum einen als Schutzhund und zum anderen als Fährtenhund. Die Schutzhundausbildung hält den Diensthund davon ab, sich voll auf die Fährte zu konzentrieren. Außerdem nimmt der Fährtenhund, im Gegensatz zum Personensuchhund, vornehmlich die Störung des Untergrundes wahr. Dabei stößt er schnell an seine Grenzen.
 
3. Wie funktioniert Mantrailing?

Der Personensuchhund nimmt Geruchsstoffe wahr, die sich auf Hautschuppen befinden, die alle Menschen in großen Mengen in jeder Minute verlieren. Es handelt sich z.B. um Steroide und Pheromone. Die Hautschuppen selbst sind nach ca. 36 Stunden abgebaut. Robert Boulanger benutzte die sehr anschauliche Metapher von einer Pizza auf der sich der unterschiedlichste Belag befindet. Nach und nach verschwinden der Boden, Tunfisch, Salami usw.. Übrig bleiben nur die schwarzen Oliven und die Kapern, die niemand mag. Genauso ergeht es den Stoffen auf den Hautzellen. Nachdem die Hautzelle abgebaut worden ist, verschwinden nach und nach auch die Stoffe, die sich auf ihr befunden haben. Zum Schluss bleiben nur sehr wenige geruchtragende Stoffe übrig.
Die wissenschaftliche Beschreibung der genauen Vorgänge im Geruchsorgan des Hundes beim Mantrailen ist noch nicht abschließend gelungen. Aus diesem Grund sehen sich die Vertreter des Mantrailings gelegentlich dem Vorwurf des „Wünschelrutengehens“ ausgesetzt.
Die praktische Arbeit zeigt, dass es funktioniert, und das Verhalten der Hunde beim Trailen unterstützt die These, dass die Geruchsstoffe auf den Hautzellen, die im Laufe der Zeit verweht werden, die Spur sind, die die Hunde beim Trailen verfolgen.
 
3. Welche Hunde sind am besten als Mantrailer geeignet?

Die Diskussion der Referenten ergab hierzu keine klare Meinung. PHK Brandt favorisierte den Bluthund. Dieser ist jedoch beim verdeckten Trailen zu auffällig. Die übrigen Referenten wollten sich auf eine bestimmte Rasse nicht festlegen. Es müsse jedoch ein Hund sein, der Spass am Verfolgen von Spuren hat. Der Jagdhund gehört deshalb zu den Favoriten.
 
4. Wie lange kann eine Spur verfolgt werden?

Zu dieser Frage gingen die Meinungen auseinander. Frau von Buddenbrock berichtete von der erfolgreichen Verfolgung von Spuren, die schon mehrere Monate alt waren. Die übrigen Hundeführer berichteten von Spuren, die nur einige Tage alt waren. Die Differenz bei den Angaben erklärt sich jedoch aus den unterschiedlichen Einsatzgebieten, in denen die Referenten tätig sind. PHK Brand hat es hauptsächlich mit vermissten Personen in seinem Bereich zu tun. Die Beauftragung erfolgt viel schneller als bei Hunden, die erst spät im Laufe der Ermittlungen bei Kapitalverbrechen eingesetzt werden. Gleiches gilt für die Hunde von Mantrailing Europe, die hauptsächlich bei Unglücken und in der Bergrettung eingesetzt werden.

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