Förderung der Kriminalistik in Wissenschaft, Praxis, Aus- und Weiterbildung Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik
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Grundüberlegungen zur Gründung der AG Internetkriminalität

Das rasant wachsende Medium Internet mit seinen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten lässt nicht nur neue Wirtschaftmodelle für den Handel mit Produkten und Dienstleistungen entstehen, sondern beschleunigt auch Informations- und Datenströme. Ländergrenzen sind hierbei kein Hindernis. Was einerseits der Information von Menschen und als Handelsplattform für die Wirtschaft dient, stellt sich jedoch als janusköpfige Materie heraus: Das weltweite Informationsnetz wird auch zu kriminellen Handlungen genutzt. Für letzteren (illegalen) Gebrauch hat sich in Deutschland das Schlagwort „Internetkriminalität“ geformt.
 
Eine einheitliche Definition dieses Begriffs gibt es jedoch nicht. Dem Terminus nach kann es sich um Kriminalität im, mit dem, durch das und auf das Medium Internet handeln. Insbesondere lassen sich drei Säulen herausstellen:

  1. Straftaten, zu deren Begehung das Internet als Tatmittel genutzt wird. Einige Schlagwörter hierzu sind Phishing, Betrug beim Internethandel wie zum Beispiel betrügerisches Anbieten von Waren und Dienstleistungen, Urheberrechtsverletzungen, Kreditkartenmissbrauch oder Propagandastraftaten, Mobbing bzw. Cyberbullying.
  2. Veröffentlichung illegaler Inhalte wie Verbreitung von (Kinder-)Pornographie, Gewaltdarstellungen, Aufstachelung zum Rassenhass oder Verbreitung von terroristischen Ideologien.
  3. Angriffe auf das Internet selbst. Hierunter fallen zum Beispiel Angriffe auf elektronische Netze mit Viren, Würmer und Trojanern, „Hacken“ von PC zur Datenänderung, Datenlöschung sowie Datendiebstahl oder um Rechner, Server oder Netzkomponenten arbeitsunfähig zu machen („Denial of Service“) und ggf. eine aus diesen Tathandlungen resultierende Erpressung.


Die aufgezeigten Tatmöglichkeiten verursachen nicht nur einen immensen finanziellen Schaden in Milliardenhöhe, sondern tragen auch zur Verunsicherung der Internetnutzer bei. Zudem bestehen zwischen den einzelnen Punkten Überschneidungen, was die Trennschärfe unter den verschiedenen Tatvarianten zusätzlich verwässert.
 
Eine weitere Möglichkeit zur Unterscheidung ist die Definition verschiedener Tathandlungen über den Täter. Hier kommen vor allem zwei Gruppen in Betracht:

  • Die Personen, welche Daten ins Netz stellen, um damit kriminelle Handlungen zu begehen. Hierunter fallen zum Beispiel das Verbreiten von kinderpornographischen Inhalten, das Zurverfügungstellen von Plattformen für den Austausch urheberrechtlich geschützter Dateien, die Verbreitung verbotener Schriften (Texte, Musik), Angriffe auf Datennetze oder Hardware mit dem Ziel, diese zu sabotieren, für eigene Handlungen zu nutzen oder Informationen zu erlangen sowie Betrug bei Tausch- respektive Verkaufsbörsen.
  • Die Personen, die Daten aus dem Netz ziehen und dadurch kriminelle Handlungen begehen. Darunter ist beispielsweise der Bezug bzw. das Verschaffen von kinderpornographischen oder anderer verbotener Schriften, das Laden von Musik oder Filmen von nicht zugelassenen Tauschbörsen oder der Warenkreditbetrug zu verstehen.

 
Bei dieser Variante scheint die Unterscheidung in Quell- bzw. Zieltatmittel Computer einfacher gelagert. Schwierig bleibt aber auch hier die Zuordnung einzelner Tatbestände bzw. einzelner Tathandlungen. Denn auch hier verwischen sich die Konturen einer eindeutigen Kategorisierung.
 
Eine weitere Möglichkeit der Einordnung bietet die Unterscheidung in Manipulationen durch eine (physische) Handlung am PC (zum Beispiel die Benutzung der Tastatur zur Begehung von Warenkreditbetrug, Raubkopien oder Kinderpornographie) und in Manipulationen durch technische Veränderungen (Angriffe auf fremde Netze oder Hardware).
 
Die „Arbeitsgruppe Internetkriminalität“ der DGfK steht nicht nur vor der Problematik, das beschriebene Themenfeld auf der Entstehungsseite von möglichen Straftaten für ihre Tätigkeit einzugrenzen, sondern auch zu bestimmen, welche Richtung mit der definierten Kategorie eingeschlagen werden soll. Grundsätzlich besteht die Unterscheidung in Nutzung der Erkenntnisse zu Zwecken der Repression oder zu Zwecken der Prävention. Denkbar sind in diesem Zusammenhang Verbesserung/Unterstützung der Repression durch Hinweise auf Möglichkeiten der Beweissicherung und Dokumentation der Tathandlungen, Kompetenzerweiterung durch Schulungen der Strafverfolgungsbehörden.
 
Im Bereich der Prävention stehen Diskussionen über die Möglichkeit der Unterstützung der Wirtschaft durch Hinweis auf Sicherheitslücken oder Hinweis auf Verbesserungsmöglichkeiten, Kompetenzerweiterung durch Schulungen und Information von Wirtschaftsvertretern oder von potentiellen Betroffenen.
 
Auch möglich erscheint die Arbeit als fundierter Anstoß für intensive wissenschaftliche Forschungen auf diesem Gebiet. Selbstverständlich sind die angeführten Überlegungen nicht abschließend, sondern stellen eine erste Darstellung und Sortierung möglicher Gedanken dar. Sie sollen dazu dienen, erste Ideen zu entwickeln, so dass ein thematischer und inhaltlicher Konsens für die weitere Arbeit der Arbeitsgruppe „Internetkriminalität“ gefunden werden kann. Deshalb sind alle Arbeitsgruppenteilnehmer herzlich eingeladen, die Überlegungen aufzunehmen, sie zu erweitern oder ihnen zu widersprechen.

 

Ansprechpartner: Peter Hirsch

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