Förderung der Kriminalistik in Wissenschaft, Praxis, Aus- und Weiterbildung Deutsche Gesellschaft für Kriminalistik
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Nachruf auf Rainer Leonhardt

"Am 15. Juli 2015 starb der Wissenschaftler Dr. sc. jur. Rainer Leonhardt, langjähriger Hochschuldozent an der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität zu Berlin, an den Folgen eines tragischen Unfalls im Alter von 76 Jahren.

Rainer Leonhardt wurde 1939 in Creuzburg/Thüringen geboren, war von 1957 bis 1961 Behördenangestellter und von 1961 bis 1965 Angehöriger der Kriminalpolizei im Präsidium der Volkspolizei Berlin. Sein erfolgreich abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem akademischen Titel Diplomjurist ließ ihn aber nicht ins juristische Fach wechseln, sondern er blieb seiner Kriminalistik treu. Seit 1970 war er Mitarbeiter der Sektion Kriminalistik der Humboldt-Universität zu Berlin, zunächst als Assistent, dann als Oberassistent, schließlich, nach Promotion zum Dr. jur. 1975 und Habilitation zum Dr. sc. jur. 1984, als Hochschuldozent für Kriminaltaktik bis zur Abwicklung der Sektion Kriminalistik im Jahr 1994. Er ist Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kriminalistik.

Rainer Leonhardt hat zahlreiche Publikationen vorgelegt. Rainer Leonhardt ist Mitautor von Kriminalistik-Lehrbüchern (1984 und 1986), des Kriminalistik Lexikon in der 3. Auflage (1996), schrieb Aufsätze zur Kriminaltaktik und zur Historischen Kriminalistik. Er ist Mitautor des Lehrbuches Kriminalistische Tatortarbeit. Ein Leitfaden für Studium und Praxis (1995) und hat sich leidenschaftlich und gründlich mit der Geschichte der Kriminalwissenschaften an der Berliner Universität beschäftigt, so z. B. im Buch Die Kriminalistik an der Berliner Universität. Aufstieg und Ende eines Lehrfaches, das 1994 der Kriminalistik Verlag Heidelberg zum Ende der universitären Kriminalistik in Deutschland herausbrachte (Kriminalistik – Wissenschaft & Praxis Band 29). In einer stark erweiterten und aktualisierten Fassung erschien diese Arbeit 2015 im Buch Die Kriminalistik an den Universitäten der DDR, das der Berliner Verlag Dr. Köster in verdienstvoller Weise veröffentlichte. Es sollte die letzte wissenschaftliche Arbeit von Rainer Leonhardt sein.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sich Rainer Leonhardt als Mitautor des Buches Berlin mörderisch. Ein kriminalhistorischer Führer mit Straße und Hausnummer (1999) populärwissenschaftlich der reichlich kriminellen Berliner Stadtgeschichte von 1237 bis zur Gegenwart gewidmet hat. Das Buch wird im nächsten Jahr in einer Neuauflage ebenfalls im Verlag Dr. Köster scheinen.

Rainer Leonhardt war ein herausragender Wissenschaftler, Lehrer und Freund. Seine Studenten forderte er, auch zum selbstständigen Denken und zum wissenschaftlichen Herangehen an praktische Fragen der kriminalistischen Arbeit. In seinen Vorlesungen und Seminaren vermittelte er stets eine ausgefeilte Methodik und in der Praxis anwendbare kriminalistisch-kriminologische Denk- und Handlungsweisen. Seine Kollegialität, Zielstrebigkeit und Zuverlässigkeit waren bewundernswert.

Natürlich, Rainer Leonhardt konnte sich als Wissenschaftler und Materialist, der er nun einmal war, gut vorstellen, dass wir ohne ihn weiterarbeiten werden. Aber die Frage, ob wir später noch an ihn denken werden, hat ihn doch bewegt.

Wir haben einen klugen Wissenschaftler und einen wertvollen Menschen verloren. Wir vermissen Dr. sc. jur. Rainer Leonhardt und denken an ihn."

 

Frank-Rainer Schurich

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